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  Kenjutsu (jap. 剣術) bedeutet „Schwert-Kunst“ und wird oft als Oberbegriff für die traditionellen Schwertschulen Japans gehandhabt, aus denen sich unter anderem das moderne Kendo entwickelt hat (welches ausschließlich wettkampfbezogen ist und nicht mehr viel mit Kenjutsu gemein hat). Praktizierende des Kenjutsu heißen Kenshi (剣士).

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Handhabung und Technik

  Bei der Entstehung der japanischen Fechtsysteme wurden die Besonderheiten des Katana (Langschwert) und des Wakizashi (Begleitschwert) berücksichtigt, wodurch sich diese Form des Schwertkampfes erheblich von der europäischen unterscheidet. Japanisches Fechten kann somit nicht mit dem deutschen, französischen oder italienischen Fechten ohne weiteres gleichgesetzt werden.

Durch die runde Form des Schwertes wird eine schneidend-ziehende Bewegung verlangt, um einen sauberen Schnitt zu setzen. Der Grundgedanke des japanischen Schwertumgangs besteht darin, dass das Schwert aufgrund seines Eigengewichts (zwischen ca. 500 bis 1000g) schneidet und von den Händen lediglich in der Bahn gehalten und geführt wird. Natürlich wird ein gewisser Kraftaufwand gefordert, da es auch Knochen und eventuell Rüstungsgegenstände zu durchdringen gilt, die Schwertführung ist im Allgemeinen jedoch von Lockerheit bestimmt.

Schwerpunkt der japanischen Schwertbeherrschung liegt auf der Schnelligkeit und Präzision, nicht auf Kraft und Ausdauer. Im Regelfall entscheidet der erste Schnitt über Leben und Tod, ausdauernde Kämpfe, wie häufig in Filmen zu sehen, sind im Normalfall eine reine Erfindung der Filmindustrie.

 

 Literatur zu Kenjutsu

  Frühe bedeutende Schriften zum Kenjutsu entstanden in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. An erster Stelle ist der Zen-Mönch Takuan Soho zu nennen, der geistiger Lehrer von Yagyu Munenori und Miyamoto Musashi war, die als die bedeutendsten Schwertkämpfer Japans gelten. Er verfasste drei Aufsätze zum Schwertkampf Fudochishinmyoroku, Reiroshu und Taiaki, die Anfang des 17. Jahrhunderts geschrieben wurden. Fudochishinmyoroku (Die geheimnisvolle Aufzeichnung von der bewegungslosen Weisheit) ist ein Brief an Yagyu Munenori, in dem Takuan die geistige Haltung im Schwertkampf beschreibt. Ebenfalls ein Brief stellt das Taiaki (Die Annalen des Schwerteskenjutsu1.jpg Taia) dar. Zeitlich zwischen den beiden Briefen ist die Abhandlung Reiroshu (Der klare Juwelenlaut) geschrieben worden. Die Essenz von Takuans Auffassung des Kenjutsu ist die Lehre vom ungebundenen Geist, der hoch aufmerksam ist, ohne sich auf etwas Bestimmtes zu konzentrieren.

Der Schwertmeister Yagyu Munenori hat 1632 das Heiho kaden sho (Der Weg des Samurai) veröffentlicht, in dem er die Lehre von den zwei Schwertern, dem todbringenden und dem lebenspendenden Schwert, darlegt. Ziel der Schwertkunst sei erst in zweiter Linie, den Gegner zu töten, primär komme es darauf an, den Kampf zu vermeiden und im Kampf so zu stehen, dass man die Möglichkeit hat, den Gegner zu schonen. Das Buch gibt einen Einblick in die Geheimlehre seiner Schwertschule und wird von technischen Anleitungen zum Schwertkampf abgerundet. Die Essenz seiner Lehre liegt in der Wiedergewinnung und gelassenen Beibehaltung des Alltagsgeistes - auch in einer Ausnahmesituation.

Der wohl größte Schwertkämpfer Japans, Miyamoto Musashi, veröffentlichte seine Schrift über den Schwertkampf Gorin no Sho (Das Buch der fünf Ringe) im Jahre 1645. Neben den Techniken des Kenjutsu und seiner Schwertschule erläutert er die geistige Haltung von Reinheit, Wachsamkeit und Spontaneität im Schwertkampf. Die Essenz seiner Lehre liegt darin, dass es keine festen Regeln im realen Schwertkampf gibt, weil man immer der Situation angemessen handeln muss. Die Aktion muss aus der Situation heraus erschlossen und der Weg des Schwertes zum Weg des Selbstverständlichen werden.

 Schulen des Kenjutsu

 Obgleich das alte Kenjutsu durch das moderne Kendō etwas zurückgedrängt wurde, gibt es auch heute noch viele Koryu (japanisch, „alte Schule“), die Kenjutsu in seiner traditionellen Form unterrichten.

 Weg der Samurai

 Die Samurai übten sich in der Kunst des Zen, um auch noch im Augenblick zwischen Leben und Tod nicht im Zustand von Angst zu erstarren, sondern sich frei bewegen zu können.

 

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